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Feinstaub: Bericht über unsere Veranstaltung


Mit Beginn des Frühjahrs war sie in den Medien stets präsent: Die Feinstaub-Debatte. Ist das nur eine Übertreibung von ein paar Öko-Spinnern oder eine ernstzunehmende gesundheitliche Gefahr, die politischen Handlungsbedarf auslöst? Dieser Frage wollte der Arbeitskreis Umwelt & Verkehr nachgehen.

 

Unter dem Motto „Gespräche im Forum“ veranstaltete er unter der Leitung und Moderation von Horst Reinert eine interessante und lebendige Diskussion zwischen Experten und Zuhörern. Als Experten waren Prof. Dr. Ulrich Hüttemann, Internist und  Spezialist für allergologische Erkrankungen, sowie Stadtrat Wolfgang Meyer, Umweltdezernent bei der Stadt Göttingen eingeladen.

 

Hüttemann wies in seinem Einstiegsreferat deutlich auf die gesundheitlichen Gefahren des Feinstaubs hin. Als besonders gefährlich für den Menschen bezeichnete er die kleinsten, nahezu gasförmigen Schmutzpartikel. Diese können im Gegensatz zu größeren Partikeln viel tiefer in das organische Lungensystem eindringen.

 

Der Feinstaub, so Hüttemann, wirke vor allem in Kombination mit Blütenpollen zerstörend auf die menschlichen Fresszellen, die bei ihrem Absterben krankmachende Entzündungsprozesse hervorrufen. Die Folge sind Atemwegserkrankungen insbesondere bei Menschen, die schnell atmen (z.B. Kinder, Asthmatiker, Sportler). Feinstaub entsteht u. a. durch Heiz- und Kraftwerke, Hausbrand, Landwirtschaft und Industrie. Der Verkehr (schwere Lkw, Busse, Kleintransporter, Pkw) macht etwa einen Anteil von 35 % aus, wobei der Pkw-Anteil bei ca. 12 % liegt.

 

Doch welche Konsequenzen muss man daraus ziehen, wenn der Feinstaub „nur“ zu einem vergleichsweise geringen Anteil durch Verkehr - insbesondere Pkw-Verkehr - verursacht wird? Ist dann die Forderung nach kostenträchtigen Maßnahmen wie Rußfilter für Dieselfahrzeuge, Lkw und Busse überhaupt gerechtfertigt?

 

Problematisch: Fahrverbote

Hier waren sich Hüttemann und Meyer einig: Wenn es bereits technische Lösungen gibt, dann sollte die Politik im Interesse unserer Gesundheit – neben Ausbau von ÖPNV und Radwegen – auch auf deren Verwendung dringen.

 

Fahrverbote im Stadtkern seien ebenso problematisch wie der zusätzliche Bau von Umgehungsstraßen. Sie führen regelmäßig nur zu einer Verlagerung des Verkehrsgeschehens und einer stärkeren Staubbelastung andernorts, die durch sogenannte Kamineffekte wieder in die Innenstadt hineinwehen kann. Maßnahmen, so Meyer, müssen die Ursache des Problems beseitigen. Das erfordere aber ein langfristiges Umdenken innerhalb der Gesellschaft und gegebenenfalls auch die Bereitschaft, individuelle Gewohnheiten zu überdenken.

 

Meyer: „Wir müssen uns fragen, ob wir in Zukunft noch eine Zersiedelung der Landschaft durch Ausweisen neuer Baugebiete außerhalb der Stadt in Kauf nehmen wollen, die überdies im Wege der Pendlerpauschale steuerlich gefördert wird.“ Das Entstehen von Baugebieten außerhalb der Stadt führe automatisch zu einem größeren Verkehrsvolumen, weil die Bewohner/innen, zumal ohne Stadtbusanbindung, auf ihren Pkw angewiesen seien. Meistens, so Meyers Beobachtung, säße im Pkw nur eine einzelne Person. Fahrgemeinschaften von Pendlern zur Arbeitsstelle seien nach wie vor die Ausnahme. Auch werden wir uns fragen müssen, ob der Anspruch des einzelnen Kunden auf sofortige Anlieferung bestellter Waren noch vertretbar erscheint, wenn dafür andererseits der Einsatz schwerer Lkw erforderlich wird.

 

Und ist es nicht vorstellbar, dass große Ladenketten ihr Liefersystem dahin ändern, die Waren vor den Toren der Stadt von einem großen Lkw auf ein kleineres Verkehrsmittel zwecks Besuch der einzelnen Abnehmerfilialen im Innenstadtbereich umzuladen?

 

Spielplätze, Kindergärten und Schulen, auch darin stimmen die Experten überein, gehören nicht an Ausfallstraßen, wo die empfindlichen Atemwege der Kinder mehrere Stunden täglich dem Feinstaub in besonderem Maße augesetzt seien. Meyer will weiterhin für aussagefähige Messungen an belasteten Standorten sorgen, denn eine Messung im Grünen, wie sie zurzeit betrieben wird, sei praktisch sinnlos. Erst verwertbare Messergebnisse sorgen für die nötige Klarheit und bilden die Basis für weiteres Handeln. Ein kompaktes Anti-Feinstaub-Maßnahmenbündel konnten die Zuhörer bei der Komplexität des Themas naturgemäß nicht mit nach Hause nehmen – wohl aber die Gewissheit, dass Wolfgang Meyer das, was heute schon möglich ist, jetzt anpacken wird; die weitere Gewissheit ist, dass langfristige Maßnahmen jedoch gesellschaftliches Umdenken erfordern.

 

K. W-K.



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