|  | Baustellen in der Bildungspolitik |
|  | |
|  |

Am 1. Oktober 2008 besuchte Frauke Heiligenstadt, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, den SPD-Stadtverband Göttingen und diskutierte mit Gabriele Andretta und dem Arbeitskreis Schule die anstehenden Probleme.
In vielen Bereichen der Bildungspolitik will die SPD-Fraktion im Landtag andere Wege gehen als die regierende Koalition. Frauke nannte u.a. die folgenden „Baustellen“, an denen im Interesse der Kinder und Jugendlichen schnell entscheidende Verbesserungen stattfinden müssen:
- frühkindliche Bildung: Nur 6,9% der Niedersächsischen Kinder unter 3 Jahren haben einen Krippenplatz. Damit ist Niedersachsen Schlusslicht bei der Versorgung mit Krippenplätzen.
- Grundschulen: Die zurückgehenden Geburtenzahlen führen mancherorts dazu, dass Grundschulen kaum noch erhalten werden können. Bei den unumgänglichen Schulschließungen müssen die die Qualität des Unterrichts und die Wohnortnähe des Angebots beachtet werden.
- Hauptschulen: Landesweit besuchen noch 13% aller Schüler weiterführender Schulen die Hauptschulen. Frauke Heiligenstadt hob hervor, dass die Hauptschullehrerinnen und -lehrer unter erschwerten Bedingungen gute Arbeit leisten. Trotzdem führe kein Weg daran vorbei, die Hauptschule abzuschaffen.
- Realschulen: Die bildungspolitischen Fehlplanungen haben die Realschulen zu einer Auffangstation für an den Gymnasien gescheiterte Schülerinnen und Schüler gemacht; ihrerseits geben die Realschulen wiederum gescheiterte Schülerinnen und Schüler an die Hauptschulen ab.
- Gymnasien: „Die Klassen der Gymnasien sind mit 30, 32 und mehr Schülerinnen und Schülern rappeldicke voll“, so Frauke Heiligenstadt. „Turbo-Abitur und Ganztagsunterricht ohne entsprechende Einrichtungen vergrößern den Stress für unsere Kinder. Das können wir jeden Tag selbst beobachten und den Medien entnehmen.“
- Gesamtschulen: Es gibt in Niedersachsen gemessen an der Nachfrage viel zu wenig Gesamtschulen. Damit ignoriert die Landesregierung seit Jahren den Elternwillen. Auf den ersten Blick scheine die Landesregierung nun Gesamtschulgründungen zuzulassen. Aber die im Schulgesetz vorgesehenen hohen Hürden durch die Elternbefragung bis zu den Kindergarteneltern würden die dringend notwendige Gründung neuer Gesamtschulen weiterhin verhindern, vermutete Frauke. „Hier ist muss die SPD die Gesamtschulinitiativen vor Ort tatkräftig unterstützen.“
Angesichts der Gemengelage im Sekundarbereich I erklärte Frauke, dass die SPD-Fraktion weiterhin für die Gemeinsame Schule eintrete: „Gemeinsames Lernen bis Klasse 10 ist die beste Lösung.“
Für einen Teil der entstehenden Kosten hat Frauke eine einleuchtende Lösung parat. „Die demografische Rendite muss im Bildungswesen bleiben! Die Gelder, die eingespart werden, weil weniger Kinder und Jugendliche die Schulen und anderen Einrichtungen besuchen, dürfen nicht aus dem Bildungssystem genommen werden, sondern sie sollen zur Optimierung des Bildungsangebots genutzt werden!“ (Renate Krenz)
